Nach einiger Zeit kommt nun mal wieder ein Artikel über den Raspberry Pi. Vor Kurzem brachte mich ein Freund auf die Idee, aus einem alten Flachbildfernseher eine Daddelstation mit Retro-Games zu bauen. Das perfekte Format (4:3) hatte der Fernseher. Nach kurzer Recherche schien das Projekt RecalboxOS für mich am geeignetsten. Dieses Projekt besticht durch seine Einfachheit, denn ich wollte dieses mal gern ein Projekt, was ohne großes gefrickel funktioniert und sich direkt out-of-the-box verwenden lässt. Das Projekt RetroPie hörte sich auch gut an, aber schien mir doch zu unkomfortabel, gerade weil man doch relativ viel per Shell konfigurieren muss. Recalbox beinhaltet eine Vielzahl an vorinstallierten Emulatoren, dazu gehören unter anderem Emulatoren für NES, Super Nintendo, GameBoy, GameBoy-Color, Playstation 1 uvm.
Nun musste ich mir die Komponenten zusammensuchen. Ich hatte noch einen alten Raspberry Pi 1 Model b hier rumfliegen – der soll laut Recalbox funktionieren, aber gerade in Hinblick auf Spiele, die etwas mehr Ressourcen benötigen (speziell PSX oder N64 Spiele), brauchte ich wahrscheinlich etwas mehr Power. Ich kaufte mir kurzerhand einen Raspberry Pi 3.
Für das richtige Oldschool-Feeling kaufte ich mir außerdem noch Controller in SNES-Controller Anmutung – diese werden direkt vom Raspberry Pi bzw. Recalbox erkannt.
Bevor es los geht, hier mal ein Bild von meiner Retro-Daddelstation bzw. der Hardware
Die Installation
Das Konzept der Einfachheit beginnt bereits bei der Installation. Auf eine FAT32-formatierte SD-Karte wird das Archiv von Recalbox entpackt. Das Archiv bekommt man hier: https://github.com/recalbox/recalbox-os/releases
Nachdem dieses entpackt wurde, kann die SD-Karte direkt in den Raspberry Pi. Anschließend kann der Pi auch schon gestartet werden. Wichtig ist, dass das Netzteil mindestens 2.5 Ampere Leistung hat, damit alle Komponenten (z.B. die Controller) ausreichend Spannung zur Verfügung haben. Die Installation wird beim ersten Start durchgeführt und dauert ca. 10 Minuten.
Nun können die Controller angestöpselt werden. Recalbox erkennt diese automatisch innerhalb von ca. 30 Sekunden. Es öffnet sich dann ein Dialog, bei dem man die Tasten zuweisen kann (hoch, runter, links, rechts, a, b…)
Anschließend habe ich bei mir noch das WLAN aktiviert und unter START „Netzwerk Einstellungen“ eingerichtet.
Spiele Installieren bzw. kopieren
Neben vielen bereits vorinstallierten Spielen stellte ich mir die Frage, wie man eigene Spiele auf das System übertragen kann. Und auch hier wurde ich wieder überrascht, wie durchdacht das ganze System ist. Dadurch, dass das Gerät bereits per WLAN in meinem Heimnetz ist, konnte ich über meinen Laptop auf den Raspberry Pi auf ein Share-Verzeichnis bzw. eine Netzwerkfreigabe der Recalbox zugreifen. In diesem Share Verzeichnis findet man den Order „roms“ mit vielen weiteren Unterordnern für jede Konsole (NES, SNES, PSX, …). In das jeweilige Verzeichnis muss einfach das gewünschte ROM kopiert werden. Damit Recalbox diese neuen Spiele indexiert muss man auf dem Controller „Start“ drücken, dann „Spiel-Einstellungen“ und dann auf „Spieleliste aktualisieren“. Anschließend kann man dieses Spiel spielen.
Für den Fall der Fälle: Shell Zugriff
Ich hatte bisher noch nicht das Bedürfnis per Shell auf das System zuzugreifen. Um jedoch speziellere Emulator-Konfigurationen durchführen zu können, ist dieser unumgänglich. Dazu einfach per Putty mit dem Gerät verbinden. Der Standard User lautet „root“ und das Passwort „recalboxroot„. Direkt im Root-Verzeichnis findet ihr die globale Konfigurationsdatei die per „nano recalbox.conf“ oder „vi recalbox.conf“ bearbeiten werden kann.
Viel Spaß beim zocken
Habt ihr bereits Erfahrungen mit Recalbox gemacht? Findet ihr RetroPie doch besser? Teilt mir gern eure Erfahrungen oder Fragen dazu mit :-)